Die bAV ist leistungsfähig, wird aber zu selten voll genutzt. Das ist das Kurzresümee einer Expertenrunde, die wichtige Hebel zur Stärkung besprach. Für Vermittler ergeben sich klare Ansatzpunkte – besonders im Mittelstand.
Zwischen Reformstau, Komplexität und Haftungsfragen bleibt die bAV oft hinter ihren Möglichkeiten zurück. Wie man den Benefit stärken kann, diskutierten Experten am runden Tisch, zu dem die Personalwirtschaft einlud. Auch Per Protoschill, Geschäftsführer der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH, war mit dabei.
5 Hebel zur Stärkung
- Kommunikation, die wirklich verstanden wird
Selbst dort, wo attraktive Angebote bestehen, ist die Beteiligung oft zu niedrig – weil Beschäftigte Nutzen und Wege nicht kennen. Einfachere, zielgruppengerechte Formate erzielen deutlich mehr Resonanz als klassische Infofluten. Entscheidend ist nicht die Komplexität, sondern die Übersetzung in den Arbeitsalltag. - Balance aus Standardisierung und Gestaltung
Ein effizienter Kern (Prozesse, Zusageform) plus differenzierende Elemente wie Arbeitgeberzuschuss, Matching- oder Staffelmodelle machen Altersversorgung zum echten Benefit – ohne Mitarbeitende faktisch auszuschließen. - Governance regelmäßig prüfen
Viele Risiken entstehen am Rentenbeginn – als Folge veralteter oder nie wieder überprüfter Versorgungsordnungen. Frühzeitige rechtliche und organisatorische Checks (ruhegeldfähiges Entgelt, Anpassungspflicht, Gleichbehandlung) sind die wirksamste Risikosenkung. - Risiken aktiv steuern
Pension Buy-outs werden als legitimes Instrument gesehen – aber nur mit klarer Governance, transparenter Kapitalanlage und Blick auf die Nachhaftung. - BRSG II
Das neue Gesetz liefert eher punktuelle Verbesserungen als den großen Wurf. Umso wichtiger ist praktische Umsetzung: klare Kommunikation, einfache Enrollment-Wege und wirksame Zuschusslogiken.
„Kleine und mittelständische Unternehmen, aber insbesondere Kleinstbetriebe ohne eigene Personalabteilung, benötigen und bekommen Unterstützung in der bAV-Kommunikation.“
Per Protoschill
Wirkung in der Praxis
Für professionelle Vermittler liegt der Hebel an drei Stellen: Kosten- und Anreizlogik sichtbar machen, zielgruppengerechte Kommunikation stellen und Rechtssicherheit organisieren. „Immer mehr KMU-Arbeitgeber erkennen, dass die bAV ein gutes Instrument zur Optimierung der Lohn- und Nebenkosten ist“, betonte Per Protoschill. Gleichzeitig bleibt die Chance, Opting-out rechtssicher über Betriebsvereinbarungen zu etablieren, ungenutzt; wo Tarifwege fehlen, sind deshalb saubere Default-Prozesse umso wichtiger. Und: Kleinstbetriebe ohne HR brauchen konkrete Unterstützung bei der Mitarbeiteransprache – vom One-Pager bis zum kurzen Erklärvideo. Genau hier können Vermittler die Lücke schließen und Reichweite erzeugen.
Learnings für die Beratung
- Matching/Staffelmodelle erhöhen die Attraktivität spürbar.
- Trotz Wegfall der Vollrenten-Zugangsvoraussetzung bleibt die Versorgungsordnung maßgeblich.
- Versorgungszusagen regelmäßig prüfen – besonders bei heterogenen bAV-Landschaften.
- Typische Konfliktfelder nach Rentenbeginn: Anpassungspflicht, Kappungen, Geschlechtergerechtigkeit.
- Trend zu Auslagerungen (Buy-outs) nimmt mit dem Generationenwechsel zu.
Hinweis: Der Roundtable wurde von der Personalwirtschaft initiiert.


