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Corona: Wie Kurzarbeit jetzt die bAV tangiert

Die Corona-Krise legt das öffentliche Leben weitestgehend lahm und die wirtschaftlichen Folgen treffen die Unternehmen mit voller Wucht. Betriebe stellen auf Kurzarbeit um, was auch die bAV beeinflusst.

© shutterstock | agentur-Zoonar-GmbH

Durch die aktuelle „Corona-Krise“ und deren wirtschaftliche Auswirkungen ist Kurzarbeit in vielen Betrieben und fast allen Branchen ein Thema. Damit gehen viele Fragen einher. Für viele hat das Bundesministeriums für Arbeit und Soziales einen FAQ-Katalog veröffentlicht. Doch Kurzarbeit tangiert auch die bAV. Da die Folgen von Corona noch gar nicht voll entfaltet sind, werden sich Kundenfragen dazu bald mehren und Vermittler beschäftigen.

Kurzarbeitergeld hinterlässt finanzielle Lücke

Zunächst müssen Arbeitnehmer durch Kurzarbeit finanzielle Abstriche beim Einkommen hinnehmen. Die Agentur für Arbeit kompensiert einen Teil dieser Einbußen mit dem Kurzarbeitergeld. Dieses entspricht jedoch nur einem Teil des ausgefallenen Nettoentgelts (60 % bzw. 67 % bei mindestens einem Kind im Haushalt). Gezahlt wird das Kurzarbeitergeld für maximal zwölf Monate.

Bezieht ein Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld, so hat dies sowohl Auswirkungen auf sein Nettoeinkommen als auch auf seine Ansprüche aus der Sozialversicherung. Für das (reduzierte) Bruttoarbeitsentgelt werden unverändert Sozialabgaben vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer abgeführt. Da das Kurzarbeitergeld eine Lohnersatzleistung ist, werden darauf keine Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt.

Auf Basis der tatsächlichen Differenz zum bisherigen Nettolohn (Entgeltausfall) zahlt nur der Arbeitgeber Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung (80 % des Entgeltausfalls). Somit soll eine Lücke in der gesetzlichen Rente möglichst klein gehalten werden.

Bei einer monatlichen Nettoentgeltdifferenz von 342 Euro, zahlt der Arbeitgeber nur Beiträge in die gesetzliche Rente auf Basis von 273,60 Euro (80 % der Nettoentgeltdifferenz).

Für Arbeitnehmer können die finanziellen Einschnitte Auswirkungen auf die betriebliche Altersversorgung haben. Hierbei ist zu unterscheiden, ob es sich um eine rein arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung oder eine bAV durch Entgeltumwandlung handelt.

Welche Auswirkungen hat Kurzarbeitergeld auf die bAV?

Arbeitgeberfinanzierte bAV: Eine arbeitgeberfinanzierte bAV ist durch das Kurzarbeitergeld in der Regel nicht betroffen. Auswirkungen sind nur dann möglich, wenn die bAV vom Arbeitsentgelt abhängig ist: Reduziert sich dieses, sinkt auch die Zahlung des Arbeitgebers für die bAV. Entscheidend sind in diesem Fall die jeweiligen kollektiven bzw. individuellen Versorgungszusagen.

Entgeltumwandlung: Eine Weiterführung der bAV ist auch während der Kurzarbeit möglich. Wünscht der Arbeitnehmer eine Reduzierung des Entgeltumwandlungsbetrag, ist eine Änderung der Entgeltumwandlungsvereinbarung nötig. 

Ausnahme: Wenn das Entgelt auf null gesenkt wird, ist auch eine Entgeltumwandlung nicht mehr möglich – schließlich handelt es sich beim Kurzarbeitergeld nicht um Arbeitsentgelt, sondern um eine Lohnersatzleistung. Arbeitnehmer mit einer Direktversicherung können ihre Verträge, zumindest in den versicherungsförmigen Durchführungswegen mit privaten Beiträgen fortführen.

Ist dies aber nicht möglich, kann der Vertrag für den Zeitraum der Kurzarbeit beitragsfrei gestellt werden. Hierbei empfiehlt es sich für den Makler, die hiermit verbundenen Risiken gegenüber dem Kunden anzusprechen. So kann bei Verträgen mit Berufsunfähigkeitsversicherung eventuell bei Wiederkrafteinsetzung eine erneute Gesundheitsprüfung notwendig werden.

Beratungen von Arbeitnehmern beinhalten nicht nur die Vorteile einer Entgeltumwandlung, sondern auch deren Wirkungen auf Lohnersatzleistungen. Eine immer wieder gestellte Frage ist dabei, ob und wie sich eine Entgeltumwandlung auf die Höhe von Kurzarbeitergeld auswirken kann. Grob gesprochen richtet sich das Kurzarbeitergeld nach der Nettoentgeltdifferenz, die dann von der Agentur für Arbeit mit 60 % (bzw. 67 % für Arbeitnehmer/innen mit mind. 1 Kind) aufgefüllt wird.

Kurzarbeit: Beispiel ohne bAV (Arbeitnehmer, ledig, kinderlos)

Normalverdienst bei 100 % Arbeitszeit = 2.500 € brutto 1.674 € netto
Verkürzung auf 75 % Arbeitszeit = 1.875 € brutto 1.332 € netto
Nettoentgeltdifferenz 342 €
davon 60 % 205 €
Kurzarbeitergeld für Arbeitnehmer 205 €

Kurzarbeit: Beispiel mit 100 Euro Entgeltumwandlung (Arbeitnehmer, ledig, kinderlos)

Normalverdienst bei 100 % Arbeitszeit = 2.500 € brutto
Entgeltumwandlung 100 € = 2.400 € brutto 1.620 € netto
Verkürzung auf 75 % Arbeitszeit = 1.800 € brutto 1.290 € netto
Nettoentgeltdifferenz 330 €
davon 60 % 198 €
Kurzarbeitergeld für Arbeitnehmer 198 €

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