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Aktuare fordern weniger Garantien in der bAV

Die betriebliche Altersversorgung bleibt auch in Corona-Zeiten verlässlich. Um aber dem Niedrigzinsumfeld zu begegnen, braucht es Reformen, plädieren die Aktuare des IVS.

© shutterstock | Andrii-Yalanskyi

Herausgefordert, aber nicht überlastet: Auf die betriebliche Altersversorgung können sich die Menschen trotz COVID-19-Krise weiter verlassen. Zu diesem Schluss kommt das Institut der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung e.V. (IVS).

„Corona wird die betrieblichen Versorgungssysteme kurz- und mittelfristig zwar belasten, ihre Funktionsfähigkeit aber insgesamt nicht gefährden“,

fasste IVS-Vorsitzender Dr. Friedemann Lucius zusammen.

Lucius machte aber auch deutlich, dass die derzeitig herrschenden Niedrigzinsen alles andere als eine schnell vorübergehende Erscheinung sind. „Alles spricht dafür, dass Corona die Niedrigzinsen auf unabsehbare Zeit zementiert“. So würde das 1,35 Billionen Euro schwere Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank auf einen Markt treffen, in dem aufgrund des demografiebedingten Spar- und Vorsorgedrucks eh schon eine hohe Nachfrage herrsche.

Schlüssel liegt in der Kapitalanlage

Den Schlüssel, um der Herausforderung der Niedrigzinsen begegnen zu können, sieht Lucius in der Kapitalanlage. So müssten die Versorgungsträger der betrieblichen Altersversorgung dazu ermächtigt werden, bei der Kapitalanlage mehr Risiken eingehen zu können, um hierdurch höhere Renditen zu erwirtschaften. Hierfür müssten die Trägerunternehmen zu einen die Versorgungsträger mit zusätzlichen Eigenmitteln bzw. Garantiezusagen ausstatten.

Darüber hinaus gibt es aus Sicht des IVS jedoch auch regulatorischen Handlungsbedarf – denn die hohen Leistungsversprechen für die älteren Generationen gingen zunehmend auf die Kosten der jüngeren Jahrgänge. „Die bAV-Systeme müssen generationengerecht ausbalanciert werden, um dauerhafte Benachteiligungen der jüngeren Generationen zu vermeiden. Dazu brauchen wir mehr Flexibilität im Arbeits- und Aufsichtsrecht, beispielsweise wenn es darum geht, notleidende Bestände zu sanieren, ohne gleich die ganze Pensionskasse in den Abgrund zu ziehen“.

Beitragserhalt ist kaum mehr zu gewährleisten

Auch beim Thema Garantien gelte es nachzufassen. So sei aus aktuarieller Sicht der Beitragserhalt aufgrund der niedrigen Zinsen kaum mehr zu gewährleisten – zugleich verhindere die 100-Prozent-Garantie das Investment in renditestärkere Anlagen. Über eine Abkehr vom vollständigen Beitragserhalt sei folglich aus Sicht der IVS-Aktuare nachzudenken. Nur dann könnten größere Teile des Beitrags risikoreicher, dafür aber auch mit der Aussicht auf mehr Leistung angelegt werden.

„Es ist eine gewaltige Herausforderung, diesen Zusammenhang glaubhaft zu vermitteln. Aber alle Beteiligten sollten diese Krise insofern auch als Chance verstehen, die vorherrschende Garantiefixierung sukzessive aufzubrechen und dem Gedanken zum Durchbruch zu verhelfen, dass weniger Garantie auch Aussicht auf mehr Leistung bedeuten kann“, fasst das IVS zusammen.

Zur Original-Pressemeldung des IVS


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